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Hohe Kosten, Brand- und Schimmelgefahr – Fassadendämmung wird stark kritisiert. Was hinter diesen Kritikpunkten steckt, erklärt landspiegel.de.

Die aktuelle Fassung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) verpflichtet Immobilieneigentümer unter bestimmten Voraussetzungen zur Wärmedämmung der Fassade. Doch diese Regelung wird scharf kritisiert. Eine Fassadendämmung sei mit hohen Kosten verbunden, steigere die Brandgefahr und begünstige Schimmelbildung. Was hinter diesen Kritikpunkten steckt, wird im Folgenden erklärt.

Die Wärmedämmung der Fassade gilt als bedeutender Beitrag zur Energiewende. Doch Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) mit EPS-Platten geraten immer häufiger ins Kreuzfeuer der Kritik. Immowelt.de befragte mehrere Experten über den Nutzen der Fassadendämmung. Eine kurze Zusammenfassung der Antworten.

Lohnt sich das Dämmen der Hausfassade finanziell?

Eine energetische Sanierung ist laut Professor Rainer Monsees, Leiter des Lehrstuhls für energieeffizientes Bauen und Sanieren an der Hochschule Magdeburg, eine Investition in die eigenen vier Wände. Schließlich kann sie den Immobilienwert erhöhen. Doch eine pauschale Aussage, ob sich das Dämmen finanziell rechnet, ist nicht möglich. Dies hängt von zu vielen Unwägbarkeiten ab, wie beispielsweise den Kosten, der Haltbarkeit des Dämmmaterials, der eingesparten Energie und den Energiepreisen. Energieeinsparungen von über 30 Prozent seien unrealistisch, so Energieberater Andreas Kühl. Rentabel sei die Wärmedämmung der Fassade jedoch, wenn der Immobilienbesitzer ohnehin den Außenputz erneuern möchte.

Kostet die Wärmedämmstoff-Herstellung mehr Energie, als sie einspart?

Gegner der Fassadendämmung kritisieren unter anderem, dass die Herstellung der Wärmedämmstoffe mehr Energie verbrauche, als sie einspare. Die meisten Immobilienbesitzer dämmen mit Platten aus Styropor (beispielsweise XPS- oder EPS-Platten). Dieses Material wird aus Erdöl hergestellt. Da die energetische Amortisation rund ein bis zwei Jahre beträgt, sparen Styroporplatten Energie ein, so Andreas Kühl.

Schimmeln gedämmte Gebäude häufiger als ungedämmte?

Schimmel kann entstehen, wenn die Luftfeuchtigkeit an kalten Oberflächen kondensiert. Aus diesem Grund ist ein regelmäßiger Luftaustausch wichtig. Dieser beugt der Schimmelbildung vor. Kritiker behaupten, die Dämmung der Fassade versiegele die Wände, sodass Feuchtigkeit nicht entweichen könne. Dies ist nicht ganz richtig. Laut Professor Monsees besteht Schimmelgefahr nicht wegen der Dämmung, sondern wenn zusätzlich die Fenster erneuert werden und so eine schlecht belüftete Ecke zum kältesten Ort eines Raumes wird. Unabhängig davon, ob die Hausfassade gedämmt ist oder nicht – tägliches Lüften ist die einzige Lösung des Problems. Empfehlenswert ist das Installieren einer Lüftungsanlage. Sie nimmt den Bewohnern die Pflicht ab, mehrmals am Tag zu lüften.

Begünstigen gedämmte Hausfassaden das Algenwachstum?

Algen gedeihen auf kalten, schattigen und nassen Flächen. Da eine Fassadendämmung die Wärme im Haus hält, ist die Außenfläche der Fassade kalt. Wenn zudem der Dachüberstand gering ist, wird die Hausfassade öfter nass. So kann es tatsächlich zu einer erhöhten Gefahr der Algenbildung kommen. Laut Energieberater Kühl sind Algen ein rein ästhetisches Problem. Mit bestimmten Dickschichtputzen lässt sich dieser Makel beseitigen.

Steigert die Wärmedämmung der Fassade die Brandgefahr?

Styropor, der preisgünstigste und am häufigsten verwendete Dämmstoff, ist entflammbar. Allerdings werden den Styropor-Dämmplatten Brandschutzmittel beigemischt, sodass sie als schwer entflammbar klassifiziert sind. Die Fassade fängt demnach erst Feuer, wenn es in der Wohnung bereits brennt und die Flammen durch die Fenster nach außen züngeln. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, verwendet statt den Styropor-Platten Dämmmaterialien, die nicht entflammbar sind. Steinwolle, Blähton, Schaumglas und Glaswolle beispielsweise. Zudem müssen nach der aktuellen Bauordnung Brandriegel über den Fenstern angebracht werden. Diese verringern das Risiko, dass die gesamte Fassade zum Brennen beginnt.

Fazit

Die Wärmedämmung der Fassade bringt Vorteile, aber auch Nachteile. Finanziell empfiehlt sich das Dämmen erst im Rahmen einer Fassadenrenovierung. Da hierbei meist auch die Fenster erneuert werden, sollten Immobilienbesitzer eine Lüftungsanlage einbauen, um der Schimmelgefahr vorzubeugen. Dies ist jedoch kostspielig. Der Kritikpunkt der leichten Entflammbarkeit ist weitestgehend außer Kraft gesetzt, weil Dämmplatten aus Styropor mit Brandschutzmitteln versehen sind. Sie werden als schwer entflammbar klassifiziert. Doch XPS- oder EPS-Platten sind nicht die einzigen Dämmstoffe. Eine Alternative sind nicht entflammbare Materialien wie Blähton, Steinwolle, Schaumglas oder Glaswolle.

 

 

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